Lena Braun (Kuratorin) – Behind the Curtain

 Vernissage am Freitag 1.12.2017, 19h
im Projektraum Ventilator, Katzbachstraße 24, Berlin

Zehn Künstlerinnen und Künstler beziehen Position zu dem Begriff des Dahinterliegenden.

Lena Braun / Florian Förster / Reinhold Gottwald / Lilly Grote / Jenny Löbert / Olivia Pils / Luisa Pohlmann / Fin Portzner / Sonja Puschmann / Paul Leonard Wilting

Die Inspirationsquelle der Kunstprojekte von Lena Braun sind Märchen, Mythen und die Biographien ungewöhnlicher Frauen.

In BEHIND THE CURTAIN wendet sie sich dem Begriff des DAHINTERLIEGENDEN zu. Als Inspirationsmaterial dienen ihr und den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern das Grimmsche Märchen HÄNSEL & GRETEL und die Reiseberichte der fish & fetisch Forscherin MARY KINGSLEYDer Ausstellungsraum des VENTILATORS erlebt eine Inszenierung, wie man sie im Europäischen Raum bereits seit dem Mittelalter kennt. Die ausgestellten Werke sind verhüllt und werden erst während des Openings zur Betrachtung freigegeben. Kunst drückt Dahinterliegendes aus, gleichzeitig umschreibt sie auch Bedeutung, interpretiert sie, bildet eigene Ebenen.

Das Märchen Hänsel & Gretel (im Dezember jeden Jahres in unseren Kulturkreisen omnipräsent durch das verzuckerte Lebkuchenhaus der Hexe) verhüllt Geschichtliches und psychologische Allgemeinplätze. Hänsel & Gretel war um 1900 die bestbesuchte Oper ihrer Zeit. Eine Hexe, eine Kannibalin die Kinder aß, auf der Bühne sterben zu sehen, gehörte und gehört bis heute zum Familienspaß der Adventszeit. Zeitgleich zum Erscheinen der Oper reist die britische Forscherin Mary Kingsley nach Afrika. Man schrieb das Zeitalter der großen Entdeckungen, Mensch & Tier, ja alles bis dato Unbekannte wurde um die Jahrhundertwende katalogisiert und dabei in Europäische Standards gequetscht. Die Forschungsreisenden und Missionare sahen in den Wilden der anderen Kontinenten zurückgebliebene Kreaturen, die es mit den Regeln und Maßstäben des christlichen Abendlands zu füllen galt. Die Forschungsreisende Mary Kingsley war hierin eine Ausnahme, sie sah hinter den Vorhang und kritisierte die pragmatischen, oberflächlichen Forschungsmethoden ihrer Zeitgenossen. Sie erlernte die Sprache der Volksstämme die sie besuchte und befreundete sich mit ihnen. Die afrikanischen Stämme, in den Augen der meisten Europäer viehische Kannibalen, erklärten Mary ihre Sitten und Gebräuche, ihre Riten, ihre Religion. Mary schrieb ein faszinierendes Buch über die tieferen Bedeutungen der Riten der Ureinwohner Afrikas und löste mit ihren Forschungen heftige Diskussionen aus, denn ihre Afrikaner waren keine seelenlosen Menschenfresser, sondern humorvolle, kluge Menschen, deren Tun und Handeln auf sinnstiftenden Regeln basierte. Auch die Kannibalin in Hänsel & Gretel ist in Wahrheit eine ganz Andere. Ihre Person symbolisiert auf vielschichtige Weise die Ängste der Menschheit. Eine Frau, die ihre Mutterrolle abstreifte und sich der Heil- oder Backkunst verschrieb, die allein lebte und wohlhabend war, das wurde zu Zeiten der Gebrüder Grimm als Bedrohung der bestehenden Regeln verstanden. Die Folge: Man verteufelte die selbstbewusste, fähige Frau, … so eine, die fraß Kinder! Um 1900 galt der Lebkuchen, aus dem auch heute noch das Haus der Hexe besteht, als Patenbrot. Lebkuchen, das schenkten Paten ihren Schützlingen. Den an kostbaren Gewürzen reichen Lebkuchen bekamen Kinder und Kranke um aufgepäppelt zu werden und die Armen, die bekamen das wohltuende Gebäck zur Weihnacht. Die Figuren des Märchens Hänsel und Gretel existierten tatsächlich. Sie lebten zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges und hießen Hans und Grete Metzler. Die Figur der Hexe formte sich aus der Gestalt einer Kuchenbäckerin in den besten Jahren namens Katherina Schraderin, die wegen ihrer vorzüglichen Lebkuchen an allen Höfen Deutschlands berühmt war. Hans Metzler stellte ihr nach, um in den Besitz ihres Lebkuchenrezeptes zu kommen. Da sie ihn nicht erhörte, klagte er sie im Jahre 1647 der Hexerei an. Doch Katherina Schraderin wurde freigesprochen. Hans Metzler griff nun zum Äüßersten. Mit Hilfe seiner Schwester ermordete er die Kuchenbäckerin in ihrem einsamen Haus am Engelesberg im Spessart und verbrannte sie in ihrem Backofen. Das Lebkuchenrezept indes fand er nicht, es wurde erst vor kurzem in einer verfallenen Hausmauer am Tatort entdeckt.

Laufzeit der Ausstellung bis zum 14.12.2017.

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