Vernissage Waldeinsamkeit

On a le plaisir de vous inviter au vernissage de la prochaine exposition de notre Projektraum Ventilator:

Waldeinsamkeit 
François Génot et Mathieu Boisadan 
Curateur: Axel Pahlavi
16 janvier – 6 février 2015
Au plaisir de vous y voir!
Flo

Waldeinsamkeit

Mathieu Boisadan, François Génot.

Können wir unsere Einsamkeit mischen? Ja gar teilen… Wahrscheinlich nicht, der Charme würde im Austausch zugrunde gehen. Für seine Träumereien muss der Wanderer allein sein; Genauso wie das Erhabene mit Elementen konfrontiert ist, begegnet der Reisende im Angesicht eines Wolkenmeeres Blumen, welche mitten in der Waldszene ergriffen sind – eine scheinbar unauflösliche Antinomie, die doch ein erfreuliches Exempel in sich birgt. Mathieu Boisadan und François Génot laden uns ein, mit ihnen gemeinsam alleine durch den Wald zu wandern und ihre tröstliche Veranschaulichung einer glücklichen Abgeschiedenheit zu entdecken.

Der städtische Wald

Zweifellos ist es nicht überraschend, dass das fiktive Idiom „Waldeinsamkeit“ – welche der Ausstellung ihren Namen verleiht – unerklärt bleibt. Denn das Gefühl des Alleinseins im Wald ist unvermittelbar. Es ist eine im Inneren erlebte, in einem unbekannten Dialog mit der Natur stehende Erfahrung, die sich sowohl im Stillen als auch wortreich abspielt. Nur wenn sie nicht kommuniziert wird, lässt sie sich übertragen. Génot und Boisadan versetzen diese Erfahrung gerne in eine urbane Umgebung. Der Erste transformiert wie ein intriganter Botaniker die Abfälle unserer Städte in Landschaftsvisionen und Pflanzen, die in der Serie Hanté (Verspukt) aufgegriffen sind; der Zweite kreiert Parallelen zwischen einem sich in Feuer verwandelnden Gebirge und dem revoltierenden Menschen, der wieder mit den Mythen spielt (Le feu dans les profondeurs de la chair/ Das Feuer in den Tiefen des Fleisches).

Beide schaffen es, unseren industriellen Kontext in Empfindungen über einsame Wanderungen zu verwandeln. So ist es einerseits nur ein einfacher Stuhl, ein Vorhang, eine Rose oder auch Anklänge unserer alltäglichen Lustlosigkeit (Polaroid-Serie Banja Luka), die sich in einem weggeworfenen Stuhl widerspiegeln (Mamie forever (la chaise au fond du jardin) / Mamie forever (der Stuhl hinten im Garten)). Andererseits verwandelt sich ein „Kleiner mond“ oder eine Pflanze in ein lächerliches Monument (Scalp/ Skalp). Die zwei Praktiken werden nicht vermischt, sondern bestehen Seite an Seite.

 

Dig!!! Lazarus Dig!!!

Jenseits der Einsamkeit entsteht während der Wanderung eine quasi mystische Vereinigung mit der Natur, eine Begegnung mit den Elementen, eine Art gemeinsame Offenbarung. Eine Annäherung an Oberfläche und Tiefe wird erschaffen, die in Anbetracht der zwei Praktiken sensibel ist. In der Serie Dessins 11 (Zeichnungen 11) befreit François Génot entwurzelte Bäume aus dem verschlafenen Zustand. Es geschieht mit der Vorführung der Wurzel, mit dem der Künstler ein Licht auf Körper wirft, die aus der Begegnung des Menschen mit der Natur hervorgehen. Der Geist der Orte, ist er nicht ein Spektrum, das das wahrhafte Sein aufdeckt, und lässt er nicht eine sichtbare Spur, klar und duftend, in der Serie Hanté (Verspukt)?

Auch wenn die zahlreichen Masken, die Mathieu Boisadan regelmäßig malt (Stilbé Masked 2, Cat Masked 3 etc.) seine Beziehung zu dem Versteckten veranschaulichen, muss man es doch lernen, hinter die gemalten Schleier zu schauen, um sich den Bach unter den Steinen vorstellen zu können. Eine Blume, die Courage heißt, ein Kind mit fehlendem Gesicht, das inmitten von Karkassen ein Schaf opfert, sind sowohl Zeichen zum Deuten als auch Symbole zum Entziffern. Ein toter Vogel ist kein toter Vogel (Dead Bird/ Toter Vogel) und die Aurore ist irreführend. In ihrer Reise durch den Wald bringen uns die zwei Künstler mysteriöse Stücke mit, welche uns verwandeln. Vergängliche Andenken, murmeln sie uns eine Kunstabsicht, die schon längst vergessen ist.

Exotisches Teilen

Die Reise hat weder lang noch weit zu sein, um uns zu verunsichern. Im Herzen des Waldes der beiden Künstler (sei er real, urban, gedanklich oder erträumt) überqueren wir forschend Felder, begegnen wir neuen Landschaften und lernen, das uns Umgebende zu erkennen. Die Künstler bieten uns eine Exotik, die uns genauso viel irreführt wie sie uns nahesteht. Durch ihr Können, die Beherrschung der Technik und die Fähigkeit, jenseits des Sichtbaren zu schauen, schreiben sie eine Sinfonie über neue Welten. Für sie ist das Woanders hier.

Unvermeidlich entsteht aus diesen Werken eine Melancholie; man kann sich ihr im Herzen des Waldes weder entziehen noch entfliehen, ohne dafür bestraft und von Schwermut befallen zu werden. Diese Melancholie ist aber nicht so zerstörerisch wie bei Cranach, Spillaert und Ernst, vielmehr beruhigend, mit sanftem, aber auch besorgtem Lächeln wie bei Böcklin, Oehme und Blechen. Verloren mitten im Nirgendwo, frei von Angst und erfüllt mit einem gesunden Vertrauen. Genauso keine Fragen über „Acedia“. In der Arbeit dieser Künstler ist eine unterschwellige Heftigkeit, eine rauschende und feuerspeiende Revolte: ausgraben ist niemals ohne Risiko. Mit zitternden Beinen und entspannten Blicken bleibt es uns nur noch übrig, von dieser Begegnung, aus der sich ein ergreifender Enthusiasmus über das gemeinsame Alleinsein löst, ganz zu profitieren.

Benjamin Bianciotto

Originaltext auf Französisch unter EXHIBITS

Übersetzung : Kezban Anul

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