Franz J. Hugo & Mathias Schauwecker – HAUNTING IMAGES

Eindringliche Bilder und ihr archaischer Impuls
Franz J. Hugo und Mathias Schauwecker
Donnerstag 30. Oktober, Vernissage, ab 19:00
20:30 Experimentelle Gesangsperformance von Franz J . Hugo
 21:00 Lesung von Jaana Müller
In mehreren Essays benützt der englische Schrifsteller und Kunsthistoriker John Berger den Begriff „haunting image“ („Eindringliches Bild“). Der Maler versucht ein Bild, ein „haunting image“ zu schaffen, das den Betrachter packt und diesen immer wieder von Neuem faszinieren soll.
In Bergers Wertesystem steht nicht eine neue ästhetische Erfindung an erster Stelle, sondern vielmehr das sich Einprägende und Vielschichtige; also ein Bild, das den Betrachter nicht mehr loslässt.
Art Brut
Im Falle der Arbeiten von FJH und MS wurde die Auswahl der Bilder so getroffen, dass gemeinsame Ansätze sichtbar werden sollen.
Insbesondere eine Affinität zur Art Brut. Als „Art Brut“ wird im allgemeinen die oft mitreissende, bildnerische Produktion von Laien und mental kranken Menschen bezeichnet, die aus einem schöpferischen Impuls heraus arbeiten (Im englischen Sprachraum wird oft der Begriff „Outsider Art“ bevorzugt, doch hat dieser einen etwas marginalisierenden Beigeschmack).

Die Art Brut überzeugt nicht durch eine grundlegend ästhetische Neuerfindung, die alles Vorhergehende übertrifft, sondern durch ihren aussergewöhnlich „authentischen“ Charakter. Dieselbe direkte und „unverdorbene“ Weise berührt uns beiKinderzeichnungen, und Sie findet sich in der Art Brut. Auch dort hat die Abbildung der menschlichen Gestalt, überhaupt alles Abgebildete eine bemerkenswerte Direktheit und Unversehrtheit. Diese Authentizität soll in diesem Text als Synonym für den „archaischen Impuls“ gelten.
Daneben ist wohl die charakteristischen Obsessionalität in der Ausführung bei Art Brut-Werken zu erwähnen. Eine durchgehende Eigenschaft ist auch, kein eigentliches Bildzentrum zu haben, die Räume sind oft derart verzerrt, dass keineZentralperspektive entstehen kann. Ebenfalls finden sich sehr oft Schriftelemente, die mehr einer rhytmisch-formalenBildlogik als einer Erzähllogik folgen und  einen wesentlichen Bestandteil der Komposition ausmachen können.
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FJH und MS –
2 Arten obsessionellen Schaffens
Kommen wir nun auf die ausgestellten Bilder zu sprechen:
In den neuen Arbeiten von FJH ist die Suche nach ursprünglichen Formen und Zeichen offensichtlich. Er malt intuitive Räume, Klänge, abstrakte Formen, die Geschöpfe und Symbole suggerieren. Die hier vorgestellten Ölgemälde sind alle von 2014.
Die von MS gezeigten Arbeiten sind aus 4 verschiedenen Perioden.
-Die früheste Serie (1996), ein Artist’s Book, zeigt 4 Illustrationen zu einem Text von Iain Watson.
-Die „Computerzeichnungen“ (1998), ein dialektisches Reagieren auf kühle geometrische Formen, die mit einem der ersten, damals erhältlichen Grafikprogramm erstellt wurden.
-animal/homme: ein Trickfilm, eine nicht endende Linie, die mit den Erwartungen des Betrachters spielt und sowohl Menschen als auch Tiere abbildet.
schliesslich die Serie „Fullhouse“, Geschöpfe, die aus „automatischen“, kalligraphischen Gesten heraus entstanden sind und das gesamte Blatt füllen.
Während sich in FJHs Arbeiten Anklänge an die Informelle Kunst finden, gibt es in MSs Bildern Spuren akademischerZeichenstudien. Währenddem FJH probiert, den sonderbaren Zeichen und Formen überzeugendes Eigenlebeneinzuhauchen, ist MS bemüht, den Ballast des Akademismus abzuwerfen und sich so dem „archaischen Impuls“ zu nähern.
Was nun die Ansätze von FJH und MS verbindet, sind einerseits die hybriden Formen (Gestalt/Pflanze/Tier oder einfach ein Symbol, ein Piktogramm) aber auch die Obsessionalität in der Ausführung (manchmal der Art Brut nahe) und in der Komposition, wo es kein eigentliches, identifizierbares Bildzentrum gibt: so „wachsen“ und füllen die Kompositionen die Bildfläche aus (Siehe insbesondere die 4 Grossformate von FJH und die Serie „Fullhouse“ von MS). Die Schwerkraft scheint aufgehoben oder falls sie existiert, in verschiedene Richtungen zu wirken. FJH und MS arbeiten mit dynamischemGestus. Auch versuchen beide, immer wieder an ihre ganz eigenen ursprüngliche Formen zurückzukehren, eine wesentliche Anstrengung eines jeden Künstlers. Einerseits muss der Maler sein Vokabular stets erweitern, um dann immer wieder die ihm wichtigen Formen herauszuschälen, zu isolieren und in sich aufzunehmen.
Abschliessend ist festzustellen, dass FJH und MS wohl beide in ihrem Inneren wühlen -von verschiedenen Seiten her und auf sehr unterschiedliche Weise- um an das Authentische zu kommen: dieser archaische Impuls, der hoffentlich die Betrachter berührt und zum Schauen verführt.
In der Ausstellung „Haunting Images“ werden Arbeiten von Franz J. Hugo denen von Mathias Schauwecker gegenübergestellt. Dabei soll ein gemeinsamer Bezug zur Art Brut aufrund zweier sehr unterschiedlicher Ansätze gezeigt werden.
30. Oktober, ab 19:00
20:30 Experimentelle Gesangsperformance von Franz J . Hugo
21:00 Lesung von Jaana Müller
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 In der Ausstellung „Haunting Images“ werden Arbeiten von Franz J. Hugo denen von Mathias Schauwecker gegenübergestellt. Dabei soll ein gemeinsamer Bezug zur Art Brut aufrund zweier sehr unterschiedlicher Ansätze gezeigt werden.

Was die Ansätze von FJH und MS verbindet, sind einerseits die hybriden Formen (Gestalt/Pflanze/Tier oder einfach ein Symbol, ein Piktogramm aber auch die Obsessionalität in der Ausführung und in der Komposition, wo es kein eigentliches, identifizierbares Bildzentrum gibt: so „wachsen“ und füllen die Kompositionen die Bildfläche aus. Weitere Infos unter EXHIBITS.

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